BoFiT Prognose – flexibel einsetzbar für verschiedene Aufgaben

18.06.2019

Mit ProCom-Software neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Wie flexibel smarte Software in der Energiebranche genutzt werden kann, zeigt das Beispiel der Stadtwerke Saarbrücken GmbH: Als langjährige Anwender der beiden ProCom-Lösungen BoFiT Optimierung (Einsatzplanung) und BoFiT Prognose kennt sich das Portfoliomanagement der Stadtwerke bestens mit Software aus – und schuf mit ihrer Hilfe ein neues Geschäftsmodell: Die Stadtwerke Saarbrücken bieten kleinen und mittelgroßen Verteilnetzbetreibern an, für sie die Prognose der Differenzzeitreihe zu erstellen. Dabei dient ein in BoFiT realisiertes Prognosemodell dazu, Abweichungen vom Standardlastprofil genauer vorherzusagen. Dadurch lässt sich der Bilanzkreis besser glattstellen, in Folge sinken die Kosten der Bewirtschaftung dank der Reduktion von Ausgleichsenergie.
„Typischerweise lassen sich mit unserer kundenindividuellen Lösung zur Differenzenergieprognose jährlich ein bis zwei Euro pro SLP-Zählpunkt sparen“, berichtet Martin Germann, Leiter Portfoliomanagement bei den Stadtwerken Saarbrücken. Der Service sei außerdem ohne Risiken für die Auftraggeber, sagt er. „Nur bei einer nachweislich erzielten Einsparung berechnen wir anhand einer vereinbarten Quote ein Dienstleistungsentgelt.“

Möglich ist die Dienstleistung, da BoFiT-Prognose für verschiedenartige Aufgaben eine breite Auswahl an mathematischen Modellen anbietet: Neben den typischen Profilverfahren (SLP, TLP und benutzerdefinierten Profilen) stehen Regressionsmodelle, künstliche Neuronale Netze (KNN) sowie Verfahren der SARIMAX-Familie zur Verfügung. Diese Möglichkeiten liefern auch den Stadtwerken Saarbrücken das grundlegende Handwerkszeug. Auf Basis von historischen Netzdaten der Kunden wird der individuelle Prognosealgorithmus in BoFiT analysiert und aufgebaut. Unter Verwendung von standortspezifischen Wetterdaten bildet dies den zentralen Baustein für die Erstellung der Differenzenergieprognose.
„Die Digitalisierung führt zu mehr Transparenz in der Energiewirtschaft und liefert Daten, die mit den richtigen Tools echten Mehrwert schaffen können. Smarte Lösungen wie BoFiT Optimierung und BoFiT Prognose heben den Nutzen dieser Daten auf ein höheres Level“, sagt Germann. Im Falle der Differenzenergieprognose entsteht sogar Mehrfachnutzen: Sie reduziert die Ausgleichsenergiekosten sowohl für die Stadtwerke als auch für die Kunden des Services. Neben Erlösen erzielen die Stadtwerke Saarbrücken damit zusätzliches Know-how, das in die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle einfließt. Lesen Sie hierzu auch unser Interview mit BoFiT-Anwender Martin Germann, Leiter Portfoliomanagement bei der Stadtwerke Saarbrücken GmbH:

„Digitalisierung schafft Doppelnutzen“

Martin Germann, Fachbereichsleiter Portfoliomanagement bei der Stadtwerke Saarbrücken GmbH, sieht in der Digitalisierung große Chancen – sowohl zur Optimierung der hausinternen Prozesse als auch zum Aufbau neuer Geschäftsfelder. Ein junges Geschäftsmodell zum Beispiel wurde durch moderne IT erst möglich: eine Lösung zur Differenzenergieprognose, welche die Saarbrücker für Verteilnetzbetreiber entwickelt haben. Im Interview erläutert Germann, wie es zu dieser Dienstleistung kam, wie sie sich umsetzen ließ und was sich das Team von der weiteren Digitalisierung erhofft.

Herr Germann, was bedeutet Digitalisierung für die Stadtwerke Saarbrücken: Chance oder Risiko?

Germann: In erster Linie sehen wir hier eine Chance. Unsere bisherigen Projekte zur Digitalisierung haben uns deutlich vorangebracht. Ein Beispiel ist die Kraftwerkseinsatzplanung, in der eine Vielzahl von Parameter zu berücksichtigen sind. Um maximale Deckungsbeiträge zu erzielen, müssen Sie Transparenz schaffen, und zwar nicht nur in Bezug auf die technischen Restriktionen, sondern auch hinsichtlich des Marktes. Sie müssen zum Beispiel ständig die Brennstoff- und Marktpreise beobachten, Verträge und Anlagenrestriktionen berücksichtigen und den Einsatz der Anlagen vorausschauend planen. Ohne performante Prozesse und Software wäre es unmöglich, dies alles in einem dynamischen Marktumfeld zu beherrschen.

Welche Lösungen nutzen Sie dafür?

Germann: Ein wesentlicher Baustein in unserer Lösungslandschaft ist die Optimierungs- und Prognosesoftware BoFiT der Firma ProCom. Diese Systeme arbeiten integriert miteinander, sodass sich unsere Prozesse sehr effizient abbilden lassen. Die Systeme liefern uns Entscheidungsgrundlagen für den Anlagenbetrieb und helfen uns, die Flexibilität optimal zu nutzen.

Stichwort Flexibilität nutzen: Können Sie uns dafür bitte ein Beispiel geben?

Germann: Unser Anlagenpark besteht unter anderem aus mehreren BHKWs der Zwei-Megawatt-Klasse und einem Elektrokessel. Prunkstück ist jedoch die GuD-Anlage eines Industriekunden, für den wir die Kraftwerkseinsatzplanung als Dienstleistung erbringen. Bei dem Kraftwerk besteht die Flexibilität darin, dass Mehrstrommengen über die Eigenstromproduktion hinaus an den Markt gestellt werden können. Der dazugehörige Wärmespeicher ist dabei ein wesentliches Asset, da er eine Entkopplung von Strom- und Wärmeproduktion ermöglicht und uns hilft, die Wärmeversorgung unserer Kunden bedarfsgerecht zu strukturieren. Das gibt uns die Freiheit, Strom vorzugsweise dann zu erzeugen, wenn die Erlöse am Markt hoch sind. Und das gelingt uns mit der Einsatzplanung auf Basis von BoFiT Optimierung und den Vorhersagen mit BoFiT Prognose.

Wo besteht die Verbindung zwischen der Einsatzoptimierung und der von Ihnen angebotenen Dienstleistung Differenzenergieprognose*), die Sie Verteilnetzbetreibern anbieten?

Germann: Die mathematischen Lösungen, die BoFiT bietet, lassen viele Anwendungsmöglichkeiten zu. Im Rahmen unserer konzerninternen Dienstleistungen haben wir uns mit der DBA-Zeitreihe beschäftigt und uns fiel auf, dass wir hohe Kosten durch Ausgleichsenergie hatten. Danach haben wir die Daten der Fachabteilung angefordert und in BoFiT-Prognose ein Modell aufgebaut, auf dessen Basis die Erstellung eines Day-ahead-Fahrplans der Differenzzeitreihe möglich wurde.
Der damit einhergehende finanzielle Vorteil – durch Reduktion der Ausgleichsenergie – hat uns motiviert, diesen Prozess der Differenzenergieprognose im Konzern zu etablieren. Unser Verteilnetzbetreiber war daher unser erster Kunde. Später haben wir die Methodik mit BoFiT weiter optimiert und unsere Lösung anderen Stadtwerken vorgestellt, mit sehr positivem Feedback, denn wir können unseren Kunden einen Mehrwert von ca. 1,5 bis zwei Euro pro SLP-Zählpunkt im Jahr bieten.

Wie rechnet sich das für Sie und Ihre Kunden?

Germann: Es entsteht eine echte Win-Win-Situation. Wir messen uns an dem Status quo der DBA-Bewirtschaftung des Kunden. Nur dann, wenn wir nachweislich Mehrwerte generieren, erhalten wir ein Entgelt für unsere Dienstleistung. Bisher ist uns das auch immer gelungen. Unsere Kunden profitieren also von geringen Ausgleichsenergiekosten, ohne dafür ein eigenes Prognose-Tool erwerben bzw. programmieren zu müssen oder personelle Ressourcen zu binden.

Apropos Programmierung: War es nicht sehr kompliziert, BoFiT für die Differenzenergieprognose anzupassen, es handelt sich schließlich um einen ganz anderen Prozess?

Germann: Ein gewisses Know-how in der Arbeit mit BoFiT gehört sicherlich dazu, um dieses System an neue Themen anzupassen. Wir haben uns bereits sehr früh entschlossen, Mitarbeiter zu BoFiT-Experten ausbilden zu lassen. Die Firma ProCom bieten entsprechende Grundlagenschulungen an und hat sie auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. So waren wir frühzeitig in der Lage, im System neue Dinge auszuprobieren und unser Lösungsspektrum zu erweitern. Flankiert wird dies von vielfältigen Möglichkeiten, zum Beispiel den Prognoseverfahren, die BoFiT bietet.

Werden Sie weitere IT-Dienstleistungen entwickeln?

Germann: Ja, der Erfolg mit der Dienstleistung Differenzenergieprognose hat uns Mut gemacht, weitere Serviceangebote zu entwickeln. Im Blick haben wir beispielsweise Themen rund um Smart Meter und Smart Grid; hier sehen wir ein großes Potenzial. Wenn die Verbrauchspunkte und das Netz smart sind, werden wir durch die effiziente Verarbeitung dieser Massendaten mehr Transparenz im Netz schaffen können. Dies bietet Lieferanten und auch dem Netzbetreiber erhebliche Vorteile, sowohl hinsichtlich der Bewirtschaftung als auch bei der Laststeuerung. Wir sehen darin einen idealen Ansatzpunkt, unsere Digitalisierungskenntnisse weiter einzubringen.

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